Elsbethstraße 12

Es gibt nicht viele Arbeiten im Leben, die einem einen Muskelkater im Lachmuskel bescheren. Während der Entdeckung der Deckenmalereien in der Elsbethstraße 12 hatten meine Kollegin und ich drei Tage lang einen Muskelkater im Gesicht vom Dauerfreuen.

 

Von außen ein eher durchschnittliches Wohngebäude im Leipziger Norden beherbergt die Elsbethstraße 12 einen außergewöhnlichen Schatz. In einer Wohnung in der ersten Etage befanden sich um das Jahr 1885 vermutlich die Schauräume des Dekorationsmalers Richard Bachmann. Dies ist das Ergebnis einer Recherche der Denkmalpflege. Es handelt sich um insgesamt 50 qm qualitätvolle und gut erhaltene Ölmalerei an Zimmerdecken, verteilt auf vier Räume von maximal je 16 qm Größe. Ein Zimmer in Neobarock, ein Zimmer in Neorenaissance, ein Zimmer mit verschiedenen Materialimitationen sowie eine qualitätvolle Holzimitationsmalerei mit aufliegenden Grotesken.

 

Die Malereien wurden durch Zufall in einer Arbeitspause entdeckt. Ein klitzekleines Stück einer gemalten Stuckkonsole schaute im Korridor unter zerfetzter Tapete hervor und weckte unsere Neugier. Die folgenden drei Tage entfernten wir mit staunenden Augen die Tapeten und Kleisterschichten. Die anschließende Restaurierung fand von November 2002 bis Februar 2003 statt.